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Vermögensteuerrichtlinien (VStR) » Einführung » A. Vermögensbewertung » II. Einheitsbewertung des Betriebsvermögens » 48. Ansprüche aus schwebenden Geschäften » aktive Rechnungsabgrenzungsposten




(1) Hat bei einem gegenseitigen Vertrag die eine Partei den
Vertrag ganz oder teilweise erfüllt, so ist insoweit ihre
vertragliche Verpflichtung erloschen. Bestehen bleibt dagegen ihr
Anspruch auf die von der anderen Partei erbringende Leistung.
Dieser Anspruch ist bei der Ermittlung des Betriebsvermögens zu
berücksichtigen.
Beispiel:
Der Unternehmer B hat bei A Gewerberäume gemietet. Im Dezember 1988 zahlt der Mieter B die Mieten für die Monate Januar bis März 1989 im voraus. Bei seinem Betriebsvermögen ist sein Anspruch, die gemieteten Räume von Januar bis März 1989 benutzen zu können, mit einem entsprechenden Wertposten zu erfassen. (Wegen der Behandlung bei A vgl. Abschnitt 34.)

(1a) Absatz 1 Sätze 1 und 2 gelten auch für schwebende
Geschäfte, die auf die Übertragung von Grundbesitz gerichtet sind.
Ist jedoch die dafür vereinbarte Gegenleistung schon ganz oder
zum Teil erbracht, so ist der Anspruch auf Übertragung des
Grundbesitzes mit dem dafür maßgebenden steuerlichen Wert
anzusetzen (BFH-Urteil vom 3.3.1978, BStBl II S. 398). Hierzu
vgl. auch Abschnitt 44 Abs. 6.

(2) Bei Darlehen ist nicht nur die Kapitalforderung, sondern
auch der Anspruch auf die laufenden Zinsen und Gewinne anzusetzen,
auch wenn sie am Stichtag noch nicht fällig sind. Der Anspruch
auf die laufenden Zinsen und Gewinne ist unter zeitlicher
Aufteilung (pro rata temporis) zu ermitteln (BFH-Urteil vom
10.11.1961, BStBl 1962 III S. 79). Entsprechendes gilt für
Stückzinsen und sonstige Wertpapierzinsen, die sich nicht bereits
im Kurs der Wertpapiere niedergeschlagen haben, wie es z.B. bei
Wertpapieren mit variabler Verzinsung der Fall ist.

(3) Die in der Steuerbilanz für im voraus geleistete Zahlungen
(transitorische Aktiva) gebildeten Rechnungsabgrenzungsposten
(vgl. Abschnitt 31b EStR) können übernommen werden, wenn sie
bewertungsrechtlich als Ansprüche anzusehen sind. Bei
nichtbuchführenden Gewerbetreibenden ist für die Berechnung dieser
Ansprüche vom Wert der Vorleistung auszugehen. Auch ein aktiver
Rechnungsabgrenzungsposten für vorausgezahlte Kraftfahrzeugsteuer
ist, sofern es sich nicht um vor dem Fälligkeitszeitpunkt
entrichtete Steuerbeträge handelt, nicht in die
Vermögensaufstellung zu übernehmen. Vorausgezahlte Prämien auf
Haftpflichtversicherung und Kraftfahrzeugversicherung sind dagegen
als aktive Wirtschaftsgüter bei der Einheitswertfeststellung des
Betriebsvermögens anzusetzen (BFH-Urteil vom 10.7.1970, BStBl II
S. 779). Verschafft sich ein Unternehmer dadurch einen Kredit,
daß er wegen bestehender Verbindlichkeiten für Warenlieferungen
Wechselverpflichtungen mit späterer Fälligkeit eingeht, und zahlt
er die bei der Wechseldiskontierung abgezogenen Zinsen, so ist der
in der Steuerbilanz angesetzte aktive Rechnungsabgrenzungsposten
auch bei der Einheitsbewertung des Betriebsvermögens anzusetzen
(BFH-Urteil vom 27.3.1985, BStBl II S. 416).

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